Sonntag, 15. April 2007

Impressionen vom ersten öffentlichen Rhetoriktraining für Softwareprofis

"War ein tolles Seminar, ich habe viel gelernt.
Ein Großteil meines Lampenfiebers ist verflogen."
Pavel Hanak, Trainingsteilnehmer

Am 2. & 3. April haben wir unser erstes öffentliches Rhetoriktraining für Softwareprofis veranstaltet. Und nicht nur das: Es war gleichzeitig die erste öffentliche Veranstaltung des Professional Developer College (PDC) überhaupt. Insofern sind wir sehr, sehr glücklich, dass alles so positiv verlaufen ist. Nach mehreren Jahren Inkubation ist das PDC jetzt am Laufen...

 
Die Teilnehmer des Rhetoriktrainings zusammen mit den Referenten (vordere Reihe, 2. & 3. v.l. Ralf und Renate)

Das erste Rhetoriktraining haben wir nun zusammen mit der andrena objects ag in Karlsruhe veranstaltet. Dort war man von unserer Vision begeistert, die fachlichen Hard Skills der Softwareentwickler um Soft Skills zu ergänzen. Das Rhetoriktraining ist in dieser Hinsicht auch nur ein erster Baustein; andere Soft Skill Trainingsangebote werden folgen.

Auslöser für die Idee zu einem Rhetoriktraining für Softwareprofis war im vergangenen Jahr unsere Wahrnehmung, dass der Bedarf an Referenten zu Softwarethemen steigt, die nicht nur fachlich sattelfest sind, sondern auch gut mit Freude und verständlich ihr Wissen einem großen Publikum vermitteln wollen. Es gibt immer mehr Themen, die es zu vermitteln gilt. Und es gibt immer mehr Plattformen, auf denen das mittels lebendiger Präsentationen geschehen kann. Die großen Entwicklerkonferenzen wie ADC, OOP oder prio gehören dazu. Aber auch lokale User Groups, firmeneigene Veranstaltungen wie das andrena ObjektForum, interne Fortbildungen, Community Events oder auch Webcasts sind solche Plattformen, bei denen ein Experte vielen Zuhörern sein Wissen vermittelt.

 
Am Anfang des Seminar benutzen die Teilnehmer gern Powerpoint, um ihre Themen zu präsentieren. Die Dokumentation aller Präsentationen mit der Kamera ist selbstverständlich.

 
Im Verlauf des Trainings lernen die Teilnehmer jedoch, dass sie ihre Botschaft auch auf anderem Weg zu ihren Zuschauern transportieren können. Mit Flipcharts wird der Vortrag lebendiger, mit Süßigkeiten kann er memorabler werden. Richtig gelernt und geplant, sind der Phantasie bei der Wahl der Mittel kaum Grenzen gesetzt.

Technologien wollen erklärt werden, Plattformen müssen sich profilieren... Woher kommen aber die Experten, die erklären und auch noch auftreten wollen? "Neue Sprecher braucht das Land" haben wir uns da gedacht und statt der zunächst geplanten Hard Skill Trainings zuerst ein Soft Skill Training entwickelt. Ein Sprechertraining für Softwareentwickler, die aus den Zuschauerreihen auf die Bühne wechseln wollen, um anderen das weiterzusagen, was sie selbst wissen: dafür schien uns ein Bedarf zu existieren. Wir freuen uns, dass wir damit richtig liegen.

"Super, das ist das, was am Markt gefehlt hat."
Benjamin Gopp, Trainingsteilnehmer

"Eine echte Bereicherung der Seminarlandschaft.
Die Ergebnisse waren sehr beeindruckend!"

Constantin Klein, Trainingsteilnehmer

Von der Idee bis zum ersten Speakertraining waren es dann knapp sechs Monate. Viele stundenlange Skypekonferenzen zwischen den Referenten  Renate Klein und Ralf Westphal waren dafür nötig. Das PDC ist ja ganz dem Zeitgeist entsprechend ein sehr virtuelles Unternehmen. Seine Mitarbeiter sitzen nicht in einem Gebäude, sondern sind über die Republik verstreut. Insofern lebt das PDC auch seinen Anspruch an die Soft Skills selbst und gibt eigene Erfahrungen weiter.

Dazu gehört auch, dass Ralf als Fachexperte mit 10 Jahren Erfahrung als Sprecher auf den Bühnen nationaler und internationaler Entwicklerveranstaltungen, sich jetzt der Ausbildung zukünftiger Sprechergenerationen widmet. Das Sprechertraining ist also keine trockene Veranstaltung im Elfenbeinturm, sondern eine Veranstaltung aus der Praxis für die Praxis.

"Mir war wichtig, alles zu lernen, um mich als Speaker auszurüsten. Das war mein Ziel und das wurde zu 100% erfüllt."
Benjamin Gopp, Trainingsteilnehmer

 

Die Methodik des Speakertrainings ist vielfältig: Phasen des Frontalvortrags mit anschließender Diskussion...

  
...wechseln ab mit Übungen zur Entwicklung eines Bewusstseins für Körper, Stimme und Raum...

 
...und münden schließlich die individuelle Planung der Umsetzung des Gelernten für den nächsten Übungsvortrag.

Das Training ist als zweitägiges Intensivseminar ausgelegt. Die geplante Seminarzeit von jeweils 9h-21h haben wir jedoch an beiden Tagen überschritten. Am ersten Tag haben wir bis nach 22h gearbeitet, um noch den ersten Vorträge für den nächsten Tag auszuarbeiten. Uns war wichtig, die Teilnehmer mit der Strukturierung nicht allein zu lassen - und wir haben gelernt, dass wir diese Form des Didaktik-Coachings noch intensivieren müssen.

Am zweiten Tag haben wir bis nach 24h zusammengesessen, allerdings zum Schluss in gemütlicher Runde. Von 18h an hatten die Teilnehmer ihre Abschlussvorträge vor großem Publikum gehalten und waren nach dem knapp dreistündigen Abendevent noch in "Feierlaune". Sie wollten noch Feedback von uns hören und ihren Erfolg diskutieren. Denn ein Erfolg war die Abendveranstaltung vor knapp 60 kritischen, aber wohlwollenden Zuschauern. Das Ergebnis der Auswertung von mehr als 40 Fragebögen hat der Abschlussveranstaltung die Schulnote 1,73 eingetragen und die durchschnittliche Sprechernote ist 1,94.

Dass den Zuschauern der "bunte Blumenstrauß" aus acht Kurzvorträge zu sehr unterschiedlichen Themen (von .NET Applikationslizensierung bis zur Einführung von Qualitätsmetriken in einem Unternehmen) gefallen hat, drückt jedoch nicht nur die gute Note für den Abschlussabend aus, sondern auch die teilweise sehr ausführliche ausformulierten Kommentare zu den Vorträge. Die Zuschauer haben sich also nicht nur in der Rolle der Rezipienten gesehen, sondern auch als "Geburtshelfer" für die neugeborenen Sprecher. Herzlichen Dank!

 
Mit knapp 60 Zuschauern für die Abschlussvorträge war die Abendveranstaltung fast ausverkauft.

 
Acht Vorträge à 15min: Die Zuschauer hielten tapfer mehr als zwei Stunden dem Sperrfeuer der hochmotivierten Seminarteilnehmer stand - und gaben wertvolles Feedback.

 
Dass allen die Veranstaltung gefallen hat, zeigte sich auch an den anschließend regen Gesprächen bei von andrena gesponsorten Getränken und Brezeln.

  
Nach zwei Tagen volle Power am Ende der verdiente Cocktail für die Seminarteilnehmer.

Und was sagen die Teilnehmer selbst? Sie sind sehr zufrieden gewesen. Mit der Gesamtnote 1,5 sind wir sehr zufrieden. Vielen Dank!

"Das Seminar hat meine Erwartungen voll und ganz erfüllt. Wir wurden gefordert und gefördert. Es sind mir meine Stärken und Schwächen aufgezeigt worden. Klasse!"
Andreas Bräsen, Trainingsteilnehmer

Aber wir wollen uns darauf nicht ausruhen. Während der Tage haben wir auch einige rauhe Stellen in unserer Agenda und in der Abwicklung gefunden, die wir noch polieren müssen. Wir müssen z.B. die Durchführung etwas straffen, um etwas mehr Stoff zu bewältigen und noch mehr Übungen durchzuführen. Und wir müssen den Teilnehmern noch mehr bei der Planung ihrer Vorträge beistehen. Strukturierung und Didaktik sind das Schwierigste - aber auch am schwierigsten zu vermitteln. Hier ist unsere Präsenz als Trainer noch mehr gefragt. Und vielleicht werden wir sogar hierfür speziell ein weiteres Training erarbeiten, in dem darauf sowie die Anwendung von Best Practices der Fokus liegt.

Eine erste Gelegenheit zur Anwendung einer überarbeiteten Agenda für das Sprechertraining bietet sich schon in dieser Woche: wir führen ein inhouse Rhetorikseminar durch.

Und für Ende Juni haben wir auch wieder ein öffentliches Training geplant. Der Termin im April war ausgebucht und wir mussten eine Warteliste aufmachen. Im Juni sind allerdings noch Plätze frei. Wir würden uns freuen, wenn Sie Lust hätten, Ihr Fachwissen als Sprecher auf den Bühnen der .NET-Community weiterzugeben.